Aktuelles

Menschen, die verantwortlich entscheiden und in Freiheit handeln

6. Bundeskongress Katholische Schulen am 13. Mai 2011 in München

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat beim sechsten Bundeskongress Katholische Schulen am 13. Mai 2011 in München das Fundament katholischer Schulen betont: "Der Ausgangspunkt und zugleich das oberste Ziel des kirchlichen Engagements im Bereich von Erziehung und Bildung ist die Entfaltung des von Gott um seiner selbst willen geschaffenen Menschen in seinen persönlichen menschlichen Anlagen." Zugleich warnte Zollitsch davor, dem Leistungsprinzip im Bildungswesen eine absolute Priorität einzuräumen, denn das Ziel sei "nicht der Mensch, der funktioniert, der an die ökonomischen Erfordernisse und den jeweiligen Mainstream der politisch korrekten Meinungen angepasst und letztlich fremdgesteuert ist, sondern der Mensch, der aus seiner Personmitte heraus verantwortlich entscheidet und in Freiheit handelt."

Erzbischof Hans-Josef Becker, Marie-Theres Kastner, Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle, P. Peter Schorr OFM, Anouschka Horn, Dr. Winfried Verburg, Ricarda Roth, Gerhard Eichin

Im Rückblick auf das von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger geprägte letzte Jahr sagte Erzbischof Hans-Josef Becker, er wolle alle Schulträger und Lehrkräfte ermutigen, in den Schulen und Kollegien weiterhin den Umgang mit Nähe und Distanz zu reflektieren. "Diese Reflexionsarbeit", so der Vorsitzende der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, "sind wir den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen im Sinne einer Kultur der gegenseitigen Achtung, des Respekts und der Wertschätzung schuldig.

In einem Vortrag über das Verhältnis von Erziehung und Bildung forderte der Pädagoge Prof. Dr. Jürgen Rekus (Karslruhe) das Zutrauen in die Leistungsfähigkeit der als eine Haltung, die für die Lehrerschaft an katholischen Schulen typisch sein müsse. Sie werde gestützt und weiterentwickelt, so Rekus, "durch ein Klima des gegenseitigen Vertrauens in den Kollegien, die sich im gemeinsamen Glauben aufgehoben fühlen und daraus die Kraft für die tagtägliche Mühe und Anstrengung schöpfen."

Prof. Dr. Detlef Horster, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Prof. Dr. Jürgen Rekus

Professor Dr. Detlef Horster (Hannover) hob die besondere Bedeutung von Vorbildern für die schulische Erziehung hervor. Diese Vorbilder sollten "gradlinig und glaubwürdig" sein. "Die Jugend sucht Vorbilder, von denen sie sicher sein kann, dass keine Enttäuschung folgt. Man müsse nicht alles realisieren, was die Vorbilder für richtig halten. Doch die Ziele sollten für erstrebenswert gehalten werden können", so der Sozialphilosoph.

Der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle würdigte die Rolle der katholischen Schulen in der deutschen Schullandschaft: "Wir sehen die Privatschulen, insbesondere auch die katholischen Schulen, als eine wertvolle Ergänzung der staatlichen Schulen. Sie unterstützen uns wesentlich dabei, den umfassenden Bildungsauftrag zu erfüllen, den unsere Verfassung uns gibt", so der Minister. Eine herausgehobene Stellung spielten die katholischen Schulen besonders bei der Werte-Erziehung. "Diese gelingt, wenn sich die Schulgemeinschaft auf ein gemeinsames handlungsleitendes Wertefundament einigt. Hierbei setzen die katholischen Schulen Maßstäbe", so Spaenle.

Der Bundeskongress Katholische Schulen wird in regelmäßigen Abständen vom Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) veranstaltet. In diesem Jahr haben sich über 300 Verantwortliche aus dem Bereich der katholischen Schulen zu Fachgesprächen und Vorträgen zum Thema "Keine Bildung ohne Erziehung. Der besondere Auftrag katholischer Schulen" in München getroffen.

(Fotos: Dr. Manfred Sieburg)

Einführung von Erzbischof Hans-Josef Becker zum Download

Vortrag von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zum Download

 

Qualitätskriterien für Katholische Schulen

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz hat Qualitätskriterien für Katholische Schulen veröffentlicht. Damit stellen die deutschen Bischöfe, die das Papier auf ihrer Vollversammlung vom 2. bis 5. März 2009 in Hamburg verabschiedet hatten, den Katholischen Schulen in freier Trägerschaft einen Orientierungsrahmen für die Planung von Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und für die Entwicklung von Evaluations­instru­menten zur Verfügung.

"Mit dem Recht, Schulen zu gründen und zu betreiben, wie auch mit dem nicht unerheblichen Aufwand, den die kirchlichen Träger für ihre Schulen erbringen, verbindet sich der Anspruch an Katholische Schulen, gute Schulen zu sein", erläutert Erzbischof Robert Zollitsch, der Vor­sitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Die Bischöfe verbänden mit den Qualitätskri­terien "das Anliegen, die Qualitätsentwicklung Katholischer Schulen zu unterstützen und die Schär­fung ihres spezifischen Profils zu fördern". Eckpunkte dieses Profils sind ein personaler Bil­dungs- und Erziehungsbegriff, der sich an der von Gott geschenkten Würde der Schülerinnen und Schüler orientiert, die wechselseitige Durchdringung von Glaube, Kultur und Leben sowie das Verständnis der Schule als einer Erziehungsgemeinschaft von allen am Schulleben Beteiligten. Diese Grundzüge des Profils Katholischer Schulen werden in den Qualitätsbereichen "Erziehung", "Unterricht", "Schulleitung", "Lehrerinnen und Lehrer" sowie "Zusammenarbeit mit den Eltern" entfaltet. Erzbischof Zollitsch: "Diese Qualitätskriterien führen nicht nur innerkirchlich zu einer Vergewisserung über die Aufgaben und Leistungen unserer Schulen, sondern sie dienen auch dem Ziel, dass die Katholischen Schulen ihren originellen und bereichernden Beitrag im deutschen Schulsystem weiterhin in guter Weise erbringen und weiterentwickeln."

Die Broschüre "Qualitätskriterien für Katholische Schulen. Ein Orientierungrahmen" kann auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz bestellt werden. Dort steht sie auch als Datei zum Download bereit.

 

"Schule für alle mit besonderer Aufmerksamkeit für die Schwächsten"

250 Teilnehmer beim Bundeskongress Katholische Schulen am 28. November 2008 in Essen

"Katholische Schulen und ihr sozialer Bildungsauftrag" war das Thema des 5. Bundeskongresses Katholische Schulen, zu dem am 28. November 2008 rund 250 Verantwortliche für das katholische Schulwesen in Essen zusammen­gekom­men waren. Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, wies in seinem einführenden Statement darauf hin, dass der soziale Bildungs­auftrag zum Kern dessen gehöre, was Katholische Schulen ausmache. "Wer unter christlichen Vorzeichen, aus christlicher Motivation Schulen unterhält, steht unter dem Anspruch, sich mit besonderer Aufmerksamkeit jenen Kindern und Jugendlichen zu widmen, die in irgendeiner Weise benachteiligt sind", so Becker. Da sie sich als Schulen "für alle mit besonderer Aufmerksamkeit für die Schwächsten" verstehen, müssten sich alle Katholischen Schulen der wachsenden Herausforderung stellen, gerade auch benachteiligte Kinder und Jugendliche zu fördern. Unter den vielfältigen Ursachen und Formen von Benachteiligung hob der Erzbischof besonders migrationsbedingte Nachteile, Behinderungen und Einkommensarmut hervor. "Unsere Schulen müssen sich daran messen lassen, wie offen und einladend sie gerade auch für junge Men­schen aus einkommensarmen Familien wirken", betonte der Erzbischof.

In ihrem Vortrag über das Menschenrecht auf Bildung als Maßstab für den sozialen Bildungsauftrag Katholischer Schulen appellierte die Bamberger Pro­fessorin für Christliche Gesellschaftslehre Dr. Marianne Heimbach-Steins an die Katholische Schule: "Sie muss offen für alle, diskriminierungs­frei zugäng­lich für unterschiedliche soziale und kulturelle Gruppen und sozial integrativ sein." Die Kirche stehe unter der Verpflichtung, ihr Engagement "im Bereich der Schule an der Option für die Armen auszurichten", so Heimbach-Steins. Das betreffe "Entscheidungen für bestimmte Schulformen, ‑typen und ‑stand­orte", aber auch "das bildungspolitische Handeln der Kirche". 

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Präsidentin der Kultusminister­konferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarbrücken), Erzbischof Hans-Josef Becker, Professor Dr. Klaus Klemm (Essen) und Professorin Dr. Claudia Solzbacher (Osnabrück) über die Frage: "Benach­tei­ligte Schüle­rinnen und Schüler in allen Schulformen fördern: Wie kann dieser Anspruch Wirklichkeit werden?" Nachmittags bearbeiteten die Kongress­teilnehmer das Thema in neun verschiedenen Workshops. Mit Themen wie Ganztagsange­bote, Aufnahmeverfahren an Katholischen Schulen, Erziehungspartnerschaft mit den Eltern oder Formen der Beurteilung und des Feedbacks wurde dabei sehr konkret und praktisch gearbeitet. Den Abschluss bildete eine Kirchenmusikalische An­dacht im Essener Dom unter dem Vorsitz des Essener Bischofs Dr. Felix Genn und mit musikalischer Begleitung von Chor und Orchester des Bischöflichen Angela-Merici-Gymna­siums Trier.

Einführung von Erzbischof Becker als PDF-Datei zum Download

Hauptvortrag von Frau Prof. Dr. Heimbach-Steins als PDF-Datei zum Download